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Gefahr und Vergnügen wachsen am selben Baum, sagt ein englisches Sprichwort. Aber Vorsicht, ALLERGIE lauert uns von jedem Baum auf und kann uns zum "englischen Patienten" machen.
Reiner Sorglos (44) verstand die Welt nicht mehr : Acht Monate lang war er wegen Kopfschmerzen von Arzt zu Arzt gepilgert. Er hatte Schmerzmittel geschluckt, Diäten durchgezogen, sich akupunktieren lassen, er hatte eine Gesprächstherapie begonnen und sich selbst ein tägliches Sport- und Entspannungsprogramm verordnet. Nichts half. Selbst ein dreiwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik brachte nur vorübergehend Linderung. Bis ein Arbeitskollege ihm den richtigen Rat gab : "Lass' dich doch mal beim Allergologen durchchecken, eventuell reagierst du auf irgendetwas komisch. " Zwei Wochen später weiss Reiner Sorglos, dass sein Kollege Recht hatte : Eine Allergie gegen verschiedene Nussarten hat die Kopfschmerzen ausgelöst. Erstaunlich dabei : Bisher hatte der Mann nie etwas von der Unverträglichkeit bemerkt.
Extreme Reaktionen
Winzige Mengen können tödlich wirken
" Ein typischer Fall ", sagt der Allerlogoge Prof. Dr. Michael Mezzner. " Egal, ob Äpfel, Nüsse, Schokolade oder Joghurt - was man gestern noch bestens vertragen hat, kann heute krank machen. " Aus seiner Praxis kennt der Allerlogoge viele Menschen, die erst im Erwachsenenalter allergisch auf Lebensmittel reagieren. Aber wie kann das sein, was ist da im Körper los ?
Experten vergleichen den Effekt mit einer Regentonne, in der sich wochenlang Wasserr sammelt. Irgendwann bringt ein einziger Tropfen die Tonne zum Überlaufen. Genauso ergeht es dem Immunsystem : Jahrelang verarbeitet es Reizstoffe aller Art, doch dann kommt ein Molekül zuviel - und das System reagiert. Es bildet Antikörper und versucht, das Allergen aus dem leidigen Weg zu räumen.
Das kann die unterschiedlichsten Reaktionen auslösen : von Hautausschlag und Atembeschwerden über Durchfälle, Schlafstörungen bis hin zu Magen- oder Kopfschmerzen. Das Problem : Die meisten Nahrungsmittelallergien werden zunächst von Ärzten übersehen. Bis zur Diagnose vergehen mitunter Monate oder gar Jahre, und die können für Patienten zur Tortur werden. Experten schätzen, dass hinter jeder sechsten Schmerzerkrankung eine Lebensmittelallergie steckt.
Etwa vier Millionen Menschen leiden hierzulande an einer Lebensmittelallergie, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Ist die Allergie bekannt, können sie nur eines tun : die "reizende " Nahrung meiden. Trotzdem ist Essen für sie ein Problem, zum Teil sogar eine grosse Gefahr. Wie im Fall der 13-jährigen Violetta. In der Schul-Cafeteria bestellte sie eine Portion Pommes Frites und erkundigte sich vorsichtshalber, ob die Fritten mit Milch in Kontakt gekommen seien. Sie habe eine starke Milchallergie, erklärte die Schülerin. Aber die Köchin winkte ab : Die Pommes seien nur mit Pflanzenöl frittiert und gesalzen worden. Die Schülerin ass sie mit Heisshunger - 30 Minuten später war sie tot ! Violetta starb an einem anaphylaktischem Schock, der Extremform einer allergischen Reaktion. Was die Köchin nicht wusste : Die Fritten hatten direkt neben einem Stück Käse gelegen - und dieser Kontakt reichte aus, um Violetta zu töten.
" Lebensmittelallergiker sind meist übervorsichtig und leben dennoch in ständiger Angst ", sagt der Immunologe Hugh Sampson. Denn Spuren von gefährlichen Allergen (etwa Milcheiweiss, Nüsse, Äpfel) sind in vielen Lebensmitteln versteckt. Schon ein Fünftausendstel dessen, was auf einen Teelöffel passt, kann für diese Menschen tödlich sein. Fatal : Allergiker können oft nicht erkennen, dass die für sie kritische Substanz im Essen enthalten ist.
Versteckte Reizstoffe ...
... in Wein und Fertiggerichten
In Deutschland befinden sich Nüsse und Erdnüsse NICHT nur in Schokolade und anderen Knabbersachen, sondern auch in Fertiggerichten oder Wein (als Aromahilfe). Hühnerei kann man auch in Säften zum Klären der Flüssigkeit antreffen. Und glutenhaltiges Getreide ist auch in Schokolade, Gewürzmischungen oder Tütenparmesan enthalten. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung : Seit Ende 2005 müssen auf den Verpackungen industriell hergestellter Lebensmittel die Inhaltsstoffe verzeichnet werden - für Allergiker eine echte Lebenshilfe. So können sie zumindest eine Vielzahl an Allergenen erkennen und vermeiden. Aus der Forschung weiss man : 90 Prozent aller Lebensmittelallergien werden durch NUR zwölf Stoffe ausgelöst ( siehe linksseitige Tabellen....).
Erdnüsse








Die "rotschwarze" Liste der 12 Super-Allergene
Jeder Mensch kann Unverträglichkeits-reaktionen auf Lebensmittel zeigen - 90 Prozent aller Allergien werden durch die hier aufgeführten Stoffe ausgelöst :
Menschen, die gegen Gräserpollen allergisch sind, reagieren manchmal überempfindlich auf Erdnüsse oder Linsen.





Vorsicht : In vielen Lebensmitteln werden Nüsse als Eiweiss-ersatz eingesetzt, sie dienen auch als Streck- und Bindemittel für Schokolade, Trockenmilch und Kakao.

Gluten-haltiges Getreide
(Hafer, Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel)

Vorsicht : Getreidepollen-Allergiker reagieren häufig auf Hülsenfrüchte und Paprika.





Wichtig für Vegetarier : Gluten ist auch in aus Getreide hergestellten Lebensmittel enthalten und bildet z.B. den Hauptbestand-teil für den Fleischersatz Seitan.
Eier







Wer eine Allergie gegen Hühnereier hat, sollte beim Genuss von Geflügelfleisch aufpassen. Kreuzreaktionen sind möglich (20 Prozent)
Eier wirken hochallergen (z.B. Tiramisu). Durch Kochen verändern sich die Eiweisse, wirken nicht so stark reizend. Hühner-eiweiss findet man auch in Rotwein.

Fisch und Krebs-Tiere





Tests haben gezeigt :
Wer auf Fisch allergisch reagiert, reagiert in vielen Fällen auch auf Hausstaub.




Fisch-Allergene sind hitzestabil, d.h. sowohl roher als auch gekochter Fisch kann Allergien auslösen. Vorsicht, Fischextrakt findet sich
auch in Fleisch-Sossen.

Sellerie, Paprika, Tomaten, Karotten





Neben genanntes ist botanisch mit Beifusspollen verwandt. Sie lösen deshalb ähnliche allergische Reaktionen aus.




Für viele Frucht- und Gemüsesorten gilt : Gegarte Lebensmittel werden weitaus besser vertragen als rohe. Allergiker sollten also besser auf Rohkost verzichten.
Gewürze
(Anis, Fenchel, Curry, Ingwer, Zimt)

Kräuterpollen-Allergiker(z.B. Beifuss) reagieren in vielen Fällen extrem sensibel auf Gewürze und Gewürz-Mischungen.
Vorsicht :
Viele Allergien gegen Gewürze verstärken sich, wenn man Alkohol trinkt oder sich körperlich stark anstrengt.
Schalen-Früchte
(Nüsse)




Gefährdet sind Birken- und Erlenpollen-Allergiker. Sie entwickeln in 60 Prozent aller Fälle auch eine Allergie gegen Schalen-Früchte.

Vorsicht :
Viele Allergien gegen Gewürze verstärken sich, wenn man Alkohol trinkt oder sich körperlich stark anstrengt.
Exotische Früchte ( Kiwis, Papayas)






Papaya- und Kiwi-Allergiker haben in vielen Fällen auch eine Allergie gegen Latex ( Gummihand- Schuhe, Kondome).





Allergologen empfehlen, so selten wie möglich exotisches Obst zu essen. Es stellt besondere Anforderungen an das Immunsystem und gilt als extrem allergen.
Schimmel-Pilz-Enzyme







Alkohol, essig und Malz können Schimmel-Pilz-Allergikern gefährlich werden.







Die Enzyme werden eingesetzt, um Bier, Kartoffelbrei oder salziges Gebäck würziger bzw. voluminöser zu machen.




Heim-isches Obst
(Äpfel,
Kirschen)


Baumpollen-Allergiker (Birke, Erle) entwickeln überdurch-schnittlich häufig auch eine Allergie gegen heimisches Kern- bzw. Steinobst.

Einige Allergene werden zerstört, wenn man sie erhitzt, z.B. die im Apfel. Für Apfel-Allergiker sind rohe Äpfel gefährlich - Apfelkuchen und -kompott dagegen nicht.
Milch






Auslöser der Allergie ist das Milchprotein. Gemieden werden müssen Joghurt, Sahne, Milch. Häufig Kreuzallergie gegen Latex-Handschuhe.


Die häufigste Allergie im Baby- und Kleinkindalter. Kinder sind aber gut geschützt, wenn sie sechs Monate lang gestillt werden. Danach sinkt die Allergie-Gefahr.


Soja



Gräser- und Getreide-Allergiker haben ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko, auch an einer Soja-Allergie zu erkranken.



Soja ist schwer zu meiden und ist in rund 20.000 Lebens-Mitteln enthalten, vor allem in Brot, Teig- und Backwaren, ausserdem in fast allen industriell gefertigten Sossen.
oder
Copyright, Design and Construction
by
Detlef Ziehm




































Enthalten die aggressivsten Allergene überhaupt. Spuren davon können für Allergiker
tödlich sein.
Sechs Prozent aller Babys reagieren allergisch auf Hühnereiweiss - mit Durchfall oder schwerer Atemnot.
Eine allergische Reaktion auf Krebstiere kann schlimmstenfalls zu Erstickungs-
anfällen führen.
Wer Sellerie nicht verträgt, kann im Extremfall einen Kreislauf-
kollaps
erleiden.
Kirschen können einen anaphylaktischen Schock auslösen - Lebensgefahr.
Quelle :
tv14
Jutta Junge

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